Schweizer Monat
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Wer als Schriftstellerin oder Schriftsteller erinnert werden will, ist auf eine intakte intellektuelle Trägerschicht angewiesen. Dass diese in der Schweiz seit Jahren kleiner wird, hat nicht nur Einfluss auf den literarischen Kanon, sondern auch auf die Identität des ganzen Landes.
Von Peter von Matt, Gregor Szyndler, Alicia Romero

Peter von Matt, photographiert von Jos Schmid.

Herr von Matt – was ist Ihre erste literarische Erinnerung?
Mein erstes gelesenes Buch hiess «Peterli, die Geschichte eines Wellensittichs». Das zweite: «Der dicke Peter» (lacht). Ich weiss auch nicht, warum meine Eltern, die sonst ganz vernünftige Leute waren, dachten, es fasziniere mich, wenn eine literarische Figur Peter heisst.
Würden Sie sich lieber an mehr Literatur erinnern oder mehr Literatur vergessen?
Ich möchte mir «Die Brüder...
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Von Stef Stauffer
Da trifft man sich wieder. Und was kommt als Erstes? Ich hab es noch nicht – gelesen, mein ich, gelesen. Gekauft natürlich schon. Nicht dass du denkst. Aber du verstehst. Es gibt so viel anderes. Und momentan ist da einfach ein Berg, so manches zu tun. Bis zur Erschöpfung. Wer könnte da noch lesen, abends im Bett. Darum, auf dem Nachttisch, du weisst.
Und nun kommt die typische Geste – die Hand bewegt sich bis auf Nasenhöhe, bis zur Stirn. Bei solchen, die gern... » Mehr
Wer Gedichte schreibt, marginalisiert sich? Ach was! Über Vorurteile, verblassende Zeilen und das, was wirklich zählt: Leidenschaft.
Von Claire Plassard

Claire Plassard, zvg.

Als ich an einem bitterkalten Wintertag mit Fieber im Bett lag, schickte mir eine lange nicht mehr gesehene Bekannte eine Whatsapp-Nachricht: «Magst du dich noch erinnern an dieses wunderschöne Gedicht von Friederike Mayröcker, von dem du mir vor Jahren eine Abschrift gemacht hast? Es hat mit einem Flüsschen unter der Erde zu tun und deine Abschrift ist jetzt leider total verblichen. Dabei würde ich es so gerne wieder lesen! Kannst du es mir noch einmal schicken?»...
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Rainer Brambach war einer der bekanntesten Dichter der Schweiz – heute kennt ihn kaum noch jemand. Eine Spurensuche zum 100. Geburtstag.
Von Felix Philipp Ingold

Rainer Brambach in seiner Dachkammer in der St. Alban-Vorstadt, Basel, 28.6.1978, photographiert von Kurt Wyss.

Ein Jahrhundert ist vergangen seit der Geburt von Rainer Brambach. Der Basler Schriftsteller, einstmals Frontmann der Schweizer Lyrik, ist zum Geheimtipp regrediert, doch auch die wenigen, die ihn noch lesen, würden wohl sagen, er habe mehr Zukunft als Vergangenheit. Man hat seinen 100. Geburtstag abgewartet, um ihn endlich, Rückschau haltend, mit einer Monographie zu Leben und Werk zu ehren. Ob er damit erneut ins Bewusstsein gebracht und seinem Rang entsprechend aufgestellt werden...
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Von Gallus Frei-Tomic
Als ich noch studierte und mir das Geld für neue Bücher fehlte, erklärte ich Antiquariate zu meinen Jagdgründen. Damals das Antiquariat Ribaux an der Bahnhofstrasse in St. Gallen. Und weil auch dort die schiere Menge mich zu erdrücken drohte, kaufte und las ich ausschliesslich Schweizer Literatur: Edwin Arnet, Kurt Guggenheim, Ruth Blum, Felix Moeschlin oder Elisabeth Gerster.
Namen, die noch immer meine Regale zieren, die etliche...
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Kind schaukeln. Schreiben.
Von Laura Vogt

Bild: zvg.

Das sagt sie, ohne das kleinste Zucken im Gesicht, kein Wimpernschlag, nicht einmal der Wind bewegt ihr Haar, nur dieser Satz zwischen meiner Tante, zwei grossen Stück Kuchen, die der Kellner eben serviert hat, und mir.
«Wie meinst du das?»
«Hauptsache, du kommst zum Zug. Das war schon als Kind deine Devise.»
Die Kuchengabel gleitet von oben durch das weiche Gebäck, die Buttercrème ist schon angeschmolzen, viel zu süss in meinem Mund. Ja, ich...
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Von Lesern für Leser
Von Redaktion
«Nina ist eine schöne Leiche»

Tom Kummer: Nina & Tom. Berlin: Aufbau, 2017. besprochen von Christoph Steier, Literaturwissenschafter, Zürich.
Tom Kummers Roman «Nina & Tom» ist ein Medienereignis. Angesichts des zweifelhaften Ruhms des Berner «Bad Boys» und des aktuellen Interesses an autofiktionaler Trauerarbeit im Stile Schlingensiefs, Herrndorfs oder Stuckrad-Barres ist das kein Wunder. Doch droht der Hype um die Medienfigur Kummer und... » Mehr
Eine Erinnerung an Guido Bachmann in zwei Akten.
Von Martin R. Dean

Guido Bachmann am 21. August 1978 mit seinem eben erschienenen Werk «Die Parabel», und darunter: «Gilgamesch». Photographiert von Kurt Wyss.

1.
«Ich bin kein Schweizer. […] Ich kann mich mit diesem Land nicht identifizieren.» – Mit diesen Worten beginnen die unter dem Titel «lebenslänglich» erschienenen Jugenderinnerungen von Guido Bachmann. Es ist eine Abrechnung mit seinem Vater wie mit der Schweiz. Verglichen mit Hermann Burgers Heimateuphorie, gemessen auch an Peter Bichsel oder Adolf Muschgs «kritischem Patriotismus», waren Bachmanns Sätze eine radikale Absage ans...
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