Schweizer Monat
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Von Daniel Goetsch

Daniel Goetsch, photographiert von Annette Hauschild / Ostkreuz.

Während des Studiums gewöhnte ich mir an, die freien Nachmittage im Kunsthauscafé zu verbummeln. Ich las mich durch einen Stapel Zeitungen. Das hielt ich damals für lebenswichtig. Der gläserne Anbau mit den Topfpflanzen, den Tischtüchern und den einsam vor ihrem Gedeck kauernden Weisshaarigen erscheint mir im Nachhinein wie aus der Zeit gefallen. Vielleicht war es dieser Gegensatz, der mich reizte: das rasende Zeitgeschehen in Druckbuchstaben vor einer...
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Christian Kracht ist einer, von dem man nie weiss, wo er ist. Von dem man bloss ahnt, dass er irgendwo sein muss. Sein Verschwinden war lang geplant, wird aber medial noch immer nicht akzeptiert. Ein Treffen mit dem Schweizer Buchpreisträger in Zürich.
Von Christian Kracht, Michael Wiederstein

Christian Kracht, photographiert von Frauke Finsterwalder.

Willkommen in meinem Schrank!», sagt er, als ich an einem Spätsommertag die «Kronenhalle»-Bar betrete, hebt grüssend seine Flasche Rivella, zupft mit der anderen Hand am neuen, wohlgepflegten Rauschebart – darunter, fast versteckt: ein warmes Lächeln.
Eigentlich wollte ich Christian Kracht in Los Angeles besuchen, nicht an dieser Haarnadelkurve mit Aussicht, sondern daheim, er hätte mich sogar reingelassen, sagte er am Telefon, dann aber kam –...
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Schweizer Schriftsteller in Diktaturen
Von Oliver Lubrich

Mosaik der «360-Grad-3-D-Inszenierung» am Eingangstor der Chollima Filmstudios, Pjöngjang, Nordkorea, photographiert von Eric Lafforgue / Invision / laif.

Viele Schweizer haben totalitäre Länder bereist: als Reporter, Diplomaten, Geschäftsleute oder Touristen. Wie nehmen Besucher aus einer Demokratie eine Diktatur wahr? Welche Einblicke haben sie in die fremde Gesellschaftsform? Wie lassen sie sich aber auch täuschen oder sogar faszinieren? Und was erfahren sie dabei über sich selbst? Wir begleiten drei Autoren auf ihren Reisen: nach Nordkorea, in die DDR und nach Nazideutschland. In ihren Berichten verfolgen sie drei...
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Budapest, Luzern, Rom – drei Orte, dreimal ein Zuhause.
Was bleibt, wenn man sich verpflanzt?
Ein Gespräch über ein Gefühl.
Von Serena Jung, Christina Viragh

Christina Viragh mit Marie, photographiert von Serena Jung.

Frau Viragh, Sie sind 1960 mit Ihren Eltern in die Schweiz gekommen. War das eine bewusste Entscheidung?
Ja, mein Vater war ein grosser Fan der Schweiz und irgendwie auf sie geprägt, schon von Jugend auf. Noch vor dem Krieg hat er hier Ferien gemacht. Und er hatte einen guten Freund in Luzern, der uns auch geholfen hat, aus Ungarn herauszukommen. Es war eine bewusste Wahl, ja, jedenfalls vonseiten meiner Eltern.
Was haben Sie über die Schweiz gehört, bevor Sie hingezogen...
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Von Pablo Haller
neinheimweh hatte ich niewenn ich weg warpersonen fehlten mirzuweilen die sprachein der ich zuhause binda gehe ich mit goytisolo– ein autor ist nicht in einem landeinem kulturkreis heimischsondern in seiner spracheneinheimweh hatte ich nie
 
ich bereiste die rändermich interessierten die abgründedie kriege, die vorüber warendie narben, die bliebendie neue kolonialisierung, die begannich hörte die abgründeaus dem mund alter männerjunger frauenmich... » Mehr
Von Stefanie Sourlier
Thomas Bernhards «Wittgensteins Neffe» beschreibt der Erzähler die Odyssee einer Suche nach der «Neuen Zürcher Zeitung», die weder in der «weltberühmten Festspielstadt» Salzburg, den ebenso weltberühmten Kurorten Bad Reichenhall und Bad Hall noch in Wels erhältlich ist. Im nicht ganz so weltberühmten Wels gibt es aber zumindest ein Wirtshaus, wo der Erzähler und Wittgensteins Neffe auch landen, um eine Hymne auf die... » Mehr
Kurze Sätze über Grate
Von Markus Rottmann
Ich steige tief hinab in die kühle Höhle. Und siehe da, nach Jahrzehnten gibt mein Keller ein verschollen geglaubtes Relikt aus vergangener Zeit frei: meinen Schallplattenspieler.
Kurz darauf das erwartungsvolle Absinken der Nadel. Anhalten des Atems. Dann die ersten Töne. Es ist der Gesang eines Gletschers, sein tiefes Gurgeln, Knirschen, das plätschernde Stakkato seiner Auflösung, unerbittliches Tropfen auf polierte Kälte, gläserne Schönheit zerbirst,... » Mehr
Buch des Monats
Von Michael Wiederstein
Die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz getroffen zu werden, ist extrem gering. Die Chance, einen Blitzschlag zu überleben, dagegen hoch: nur jeder Zehnte stirbt daran. Blitzschlag setzt den menschlichen Körper allerdings auch dann nicht selten für Stunden ausser Gefecht, der spinale Schock, der die Funktion des Rückenmarks mindestens kurzfristig unterbindet, zieht dann nicht selten Lähmungen der Arme und Beine nach sich. Die Langzeitfolgen sind zahllos – körperlich... » Mehr
Von Lesern für Leser
Von Redaktion
Nicht noch ein E-Mail-Roman…

Rudolf Bussmann: Das andere Du. Hitzkirch: edition bücherlese, 2016. Besprochen von Alicia Romero, Germanistin, Zürich.

Liebe Leute, was tun gegen Trostlosigkeit?» – Mit dieser Frage beginnt Rudolf Bussmanns Roman. Alexis, ein Student aus Kopenhagen, stellt sie auf einer Social-Media-Plattform. Unter den Antworten – «Vitamine einnehmen», «Alte Menschen besuchen», «Kalt duschen» –... » Mehr
Meinrad Inglins «Schweizerspiegel» von 1938 ist eine grosse Erzählung über das Zerfallen der alten Ordnung, den Untergang der gewohnten Welt – tröstlich und beunruhigend zugleich, vor allem aber: brandaktuell.
Von Christof Moser
«Riechst du, wie es brenzelt? Es ist eure Welt, die zu brennen anfängt.»
Meinrad Inglin: Schweizerspiegel
 
Vielleicht erinnern Sie sich noch: Bei meiner letzten Buchbesprechung – «Simeliberg» von Michael Fehr – sass ich im Flieger nach Tel Aviv, mit dem Ziel, mich zu befremden. Jetzt hat mich das Befremden eingeholt, ist zu mir aufgerückt, deshalb flüchte ich davor.
Orbàn, Trump, vielleicht bald Hofer in Österreich, Le... » Mehr
Schlussfrage XII
Von Redaktion
Wer einen wirklich langweiligen Roman schreiben möchte, der greife sich ein Thema1 und behandle es. Es bietet sich an, die unterschiedlichen Figuren für einen jeweils unterschiedlichen Aspekt des Themas2 stehen zu lassen. Im besten, also langweiligsten Fall bleibt man beim Thema3 und arbeitet es umfassend ab.
Wer einen wirklich erfolgreichen Roman schreiben möchte, der greife sich ein Thema4 und behandle es. Vorgehensweise wie oben. Die... » Mehr
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