Schweizer Monat
zurWebseite
Meine Kritiker und ich haben häufig unterschiedliche Auffassungen von Literatur. Das ist gut so. Aber zuweilen geht ersteren der Fokus auf das, was eigentlich zählt, völlig verloren. Eine Kritik der Kritik.
Von Peter Stamm

Photographiert von Stefan Kubli.

Meine ersten Erfahrungen mit der Kritik machte ich nicht als Opfer, sondern als Täter. Als freier Journalist schrieb ich neben Reportagen und Satiren auch Film- und gelegentlich Theater-, Kunst- und Fernsehkritiken für den «Nebelspalter» und den «Züritipp». Ich ging nicht zimperlich um mit den Künstlern, lobte gern, aber verriss noch lieber. Die meisten Filme, die ich kritisierte, kamen von weither, kaum einer der Filmemacher las wohl jemals meine...
» Mehr
Der Medienwandel verändert alle Lebensbereiche, auch den Literaturbetrieb und die Literaturkritik. Einst herrschte zwischen Dichtern und Kritikern strikte Arbeitsteilung. Heute stecken beide im selben Räderwerk der Digitalisierung.
Von Thierry Chervel
Wenn eine Jolle ins Schlingern gerät, denkt die Besatzung, sie sei in der Krise. Der Standpunkt ist logisch: Man hat Angst vorm eigenen Untergang. Aber in der Angst verengt sich der Blick.
Journalisten denken sich den Medienwandel deshalb als «Zeitungskrise». Dabei ist er sogar mehr als ein Medienwandel, mehr als ein Strukturwandel der Öffentlichkeit. Zieht man den Fokus auf, sieht man viele Jollen in Not: Der Bruch der Digitalisierung betrifft alle Bereiche des Lebens,... » Mehr
…für mich nicht – längst wäre ich ihr sonst davongelaufen.»
Von Serena Jung, Elsbeth Pulver

Elsbeth Pulver (1957), zvg.

Im Jahr 1982 führt die Literaturkritikerin Elsbeth Pulver ein «imaginäres Gespräch über Literatur»1 in dieser Zeitschrift – genauer: deren Vorgängerzeitschrift, den «Schweizer Monatsheften». Darin versucht ein fiktiver Journalist, sie über ihr Verhältnis zur Literatur kritisch zu befragen. Und das Gespräch verläuft nicht gut, wie so oft, wenn ein Interview «besonders kritisch» sein soll. So fallen die...
» Mehr
Was der Literaturbetrieb mit seinen Kritikern macht – und umgekehrt
Von Redaktion
Der «Literaturbetrieb», liebevoll auch «Literaturkuchen» genannt, das ist die kleine Schar Menschen, die sich in irgendeiner Form an der Entstehung von Büchern beteiligen: Autoren, Agenten, Verleger,  Lektoren, Korrektoren, Schriftsetzer, Drucker, Presseverantwortliche, Kritiker... – Kritiker? Sollten diese «Gatekeeper» nicht jenseits des Betriebs darüber wachen, dass darin gute Arbeit gemacht wird? So einfach ist es leider... » Mehr

Liebe, Inklusion und PR-Damen: Ein Jahr Feuilletonalltag in Deutschland
Von Michael Angele
12.3.
Heute beginnt die Buchmesse in Leipzig. Über 3000 Autoren werden an 3200 Veranstaltungen teilnehmen, die an 410 verschiedenen Orten stattfinden. Ich werde dieses Jahr nicht dabei sein. Macht nichts.

12.5.
Michael Wiederstein vom «Literarischen Monat» in Zürich schreibt mir, dass ich mir mit meinem geplanten Artikel über den Literaturbetrieb und seine Korruptionen noch etwas Zeit lassen könne. Ich hoffe, das ist kein Vorwand, um das Vorhaben zu...
» Mehr
Oder: Warum man sich selbst fremd werden muss, um ein guter Kritiker und Leser zu sein.
Von Stefan Zweifel
Da sitzt er, der Literaturkritiker, den Stift in der Hand, und notiert, was ihm am Text, am «Fall», der vor ihm liegt, auffällt. Er sitzt da wie der Psychoanalytiker, aufrecht, in der Position der Macht. Vor ihm, vertikal hingestreckt und ausgeliefert, der Patient. Der Text.
Es ist der rechte Winkel der geometrischen Vernunft, die sich seit Descartes die Welt der Objekte untertan macht – und der sich der Mensch als neuzeitliches «subjektum»... » Mehr
Online Spezial: Die Lokalzeitungen müssen sparen. Das trifft nicht zuletzt die Buchseiten. Und hat mitunter absurde Folgen für uns Kritiker.
Von Oliver Pfohlmann
Kürzlich wechselte bei meiner Heimatzeitung wieder einmal die Leitung der Wochenendbeilage. Meine Mitarbeit bei diesem Blatt hat eine wechselvolle Geschichte: Seit Mitte der Neunzigerjahre erschienen dort meine ersten Besprechungen überhaupt, hier konnte ich während meines Germanistikstudiums das literaturkritische Schreiben lernen. Aber Mitte der Nullerjahre endete die Zusammenarbeit vorübergehend, nachdem eine neue Chefredaktion alles reformiert hatte. Kultur hatte... » Mehr
Eine Würdigung
Von Adolf Muschg

photographiert von Mario Del Curto

Ruth Schweikerts Bücher erscheinen in grossen Abständen, die selbst eine Geschichte generieren. Spätestens seit ihrem Roman «Augen zu» (1998) ist ihr Rang etabliert, so dass die Kritik jeder Neuerscheinung mit demonstrativer Erwartung entgegensieht, um diese dann als enttäuscht zu erklären, als habe die Autorin ihr Publikum mutwillig auf die Folter gespannt. Dass sie den erwarteten Bestseller wieder nicht geschrieben hat, wird dann zur self-fulfilling...
» Mehr
Das Wort des anderen – Wie ich schreibe
Von Alberto Nessi

Alberto Nessi, photographiert von Mario del Curto.

Der Schriftsteller spricht. In Prosa oder in Versen. Er spricht mich persönlich in einer besonderen Sprache an, die er mit mir teilt. Darin liegt die Kraft der Literatur: Sie wendet sich an das Individuum und spricht zu jedem von uns auf andere Art. Das Wort ist nicht nur so dahingesagt: Es ist der Atem eines lebendigen Wesens, der uns erfrischt, uns tröstet, uns bewegt, uns anregt, uns mitreisst. Um uns mitreissen, zum Lachen bringen, bewegen, trösten und erfrischen zu...
» Mehr
Das Online-Spezial mit Beiträgen und Wortmeldungen der diesjährigen Literaturpreisträgerinnen und -preisträger.
Von Redaktion
Das Eidgenössische Bundesamt für Kultur zeichnet auch in diesem Jahr wieder Autorinnen und Autoren aller Landesteile für literarische Werke aus, die das Jahr 2015 geprägt haben. In diesem Online-Spezial finden Sie exklusive und bisher unveröffentlichte literarische Texte der Ausgezeichneten, biographisches und werkbiographisches Hintergrundmaterial sowie exklusive Photos. Die Liste der Specials wird rollend erweitert. 
Klicken Sie einfach auf untenstehende...
» Mehr
Marlon James:
A Brief History of Seven Killings.
New York: Riverhead, 2015.
Von Gregor Szyndler
Jamaika, 1976. Bob Marley steht vorm grössten Auftritt seines Lebens: ein Friedenskonzert, gratis, organisiert vom Premierminister, der um seine Wiederwahl bangt. Jamaika ist zerrissen zwischen Gangs, CIA und der Hoffnung, die von «the Singer», wie Marley genannt wird, ausgeht: Politiker eliminieren ihre Gegner, Kubaner agitieren, Kolumbianer rekrutieren Drogenschmuggler, Soldaten massakrieren Zivilisten und die, die können, emigrieren in die USA. Dann überfallen... » Mehr
«Ich werde ein Glanz, und was ich dann mache, ist richtig – nie mehr brauch ich mich in Acht nehmen und nicht mehr meine Worte ausrechnen und meine Vorhabungen ausrechnen – einfach betrunken sein – nichts kann mir mehr passieren an Verlust und Verachtung, denn ich bin ein Glanz.» – Irmgard Keun: «Das kunstseidene Mädchen»
Von Stefanie Sourlier

Stefanie Sourlier, photographiert von Ayse Yavas.

Es ist nach Mitternacht und ich sollte zwar nicht den Roman, aber zumindest diese Kolumne bis morgen früh fertig schreiben. Ich überlege Dopingstrategien, Kaffee und Clubmate hab ich schon hinter mir, Arno Schmidt trank angeblich abwechselnd Nescafé, Schnaps und Maggi, Irmgard Keun empfiehlt Champagner, den man sich aber leisten können muss. So schreibt sie 1936 aus Ostende an ihren Verlobten im amerikanischen Exil: «Man müsste als Schriftsteller so viel...
» Mehr
Von Lesern für Leser
Von Redaktion
Am Himmelsrand
Franz Hohler: Ein Feuer im Garten. München: Luchterhand, 2015.besprochen von Nora Zukker, Schriftstellerin und Radiomoderatorin, Urdorf.
Franz Hohler begleitet mich ins Krankenhaus. 52 Erzählungen auf 126 Seiten. Bevor ich durch die Schiebetüre der Intensivstation gehe, lese ich «Ins Leere» zu Ende. «Der Anblick ist erwartet und doch bestürzend.» Ja. Ich stehe in einer Zwischenwelt. In einer Welt, in der es piepst und keucht und ringt.... » Mehr
Von Urs Mannhart
Das Blatt dieser kleinen, im Jardin des Plantes stehenden Zypresse, das ich während meines Spaziergangs zerkaue, schmeckt aromatisch, vollmundig hölzern. Es lässt sich gut nachvollziehen, weswegen Winzer einst ihren Wein damit würzten. Eine kurze Weile stehe ich alleine an der Fussgängerampel, dann holt er mich ein. Steht neben mir, richtet wie ich den Blick in den rauschenden Verkehr, wartet wie ich auf das grüne Feuer, wie die Franzosen sagen. Wir sind zwei... » Mehr
Von Daniel Mezger
Wer ist eigentlich dieser ältere Herr (so alt auch wieder nicht), der nun aufsteht (Ende fünfzig?), der kurz zum Moderator nickt (nein, darüber) und sich räuspert. Er ist immer da, kommt an jede meiner Lesungen und nicht nur an die, auch bei Kollegen tauchen er und sein Sakko mit den Ellbogenschonern auf. Er setzt an, wie er immer ansetzt: «In Ihrem Buch schreiben Sie ja…» Er fasst den Roman zusammen (korrekt). Er sagt, an welche Autoren ihn das erinnere... » Mehr
© 2011 Copyright by Schweizer Monat.  |  Design by JANUAR Designbureau  |  Programming by ibrows.ch